
Spiritualität gehört zur kirchlichen Seniorenarbeit dazu. Das kann ganz verschieden aussehen und bedeutet den einen mehr und den anderen weniger. Für den Diözesanvorstand und für viele Engagierte steht aber fest, dass unser gemeinsames christliches Menschenbild eine gute Grundlage für gemeinsam verbrachte Zeit ist. Der Mensch ist so verstanden Gottes Ebenbild. Das bedeutet: Jeder Mensch hat Würde und jeder Mensch ist von Gott gewollt. Die Würde des Menschen hat keine Grenzen – etwa aufgrund von Alter, Krankheit, Behinderung oder Herkunft – so wie Gottes Liebe zu allen Menschen keine Grenzen hat. Dass Menschen wertvoll sind, bemisst sich keinesfalls an ihrer Leistungsfähigkeit. Allein dadurch, dass sie sind, sind sie wertvoll. Menschen suchen Sinn – und egal wie sie das tun, diese Sinnsuche nennen wir Spiritualität.
Unser Spiritualitätsverständnis
Der folgende Text wurde im Jahr 2014 im Diözesanvorstand beraten. Wir haben ihn 2021 wiedergefunden und in der AG Spiritualität überarbeitet. Wir freuen uns sehr, wenn Sie uns eine Rückmeldung zu diesem Spiritualitätsverständnis geben – wenn Sie mögen per E-Mail.
Was bedeutet es, ein „spiritueller“, ein „religiöser“ oder ein „frommer“ Mensch zu sein? Der Begriff „Spiritualität“ weist weit über den Bereich von Kirche und Religion hinaus, denn jeder Mensch hat „spirituelle Bedürfnisse“ und stellt die Frage nach dem Sinn seines Lebens. Halt, Verbundenheit, Wertschätzung, Verbindung zur persönlichen Lebensenergie, Hoffnung – all dies kann Inhalt von persönlicher Spiritualität sein.
Das lateinische Wort spiritus bedeutet Lufthauch, Atem, Geist, Lebenshauch – es meint also das, was den Menschen mit Lebensenergie versorgt („Inspiration“, „Begeisterung“; „Spiritus“ = Brennstoff). Es besteht eine lange (zu manchen Zeiten zwar verschüttete) christliche Spiritualitätstradition; zu ihr gehören die frühen Eremit*innen („Wüstenväter/Wüstenmütter“), Benedikt von Nursia, Franziskus, Hildegard von Bingen, Ignatius, Martin Luther, Taizé, Marianische Spiritualitäten, Edith Stein, Wallfahrten und Pilgerwege usw.
Spiritualität betont den persönlichen Lebensvollzug. Jeder Mensch hat eine ganz eigene Geschichte, in der sich Spiritualität verändert: „Als ich ein Kind war, redete und dachte ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind. Als ich erwachsen wurde, ließ ich zurück, was kindlich war.“ (1 Kor 13,11 – Bibel in gerechter Sprache)
Jeder Mensch kann „Geistliche*r“, „spirituell“ sein, wenn er die Beziehung zu „Gott“ als dem Grund und der Quelle des eigenen Lebens pflegt. Das wird im Bild vom Weinstock deutlich: Die tiefen Wurzeln suchen Verbindungen zu den Lebensquellen, geben Halt im Sturm und versorgen mit Nährstoffen. Sie sind unsichtbar – aber die „Wurzelpflege“ ist genauso wichtig wie die Pflege der Äste und das Ernten der Trauben.
„Spiritualität“ meint die Mitte des christlichen Lebens, in der 3 Pole zusammenkommen:
Der Glaube an Gott, der sich offenbart hat als der “Ich-bin-da“, als der Unverfügbare, als der Grund und das Ziel alles Seins.
Unsere Selbsterfahrung, unser Sehnen nach Glück, Heil, Gelingen, „Leben in Fülle“; unsere Geistesgaben.
Unsere Lebensgestaltung als Antwort auf das Geschenk Gottes.
Die Grundhaltung der „Spiritualität“ ist ein Alleinstellungsmerkmal des FORUM älterwerden. Der „gute Geist“ wird spürbar im Miteinander; in der Wertschätzung der*des „kostbaren Einzelnen“ und ihrer*seiner Lebens-/Glaubensgeschichte; im Bezug zur Gemeinde;
…und immer wieder wird „Spiritualität“ konkret in Angeboten, Zeiten, Orten, z.B.:
- Besinnung, Unterbrechungen, Innehalten, Lassen
- Nichts-Tun, Stille, Hören; sich vom Rhythmus des Atmens tragen lassen
- Aus Kraftquellen leben (Lebensgeschichte, Bibel, Meditation, Beten, Singen…)
- Miteinander feiern: persönliche Anlässe, Gottesdienst, Kirchenjahr, Sonntag…
- Rituale, z.B. Gebet/Lied am Anfang; bei Anlässen; Segenswunsch am Ende
- Ermutigungen zum lebenslangen Glauben-Lernen und zum Üben
- Sensibilität für das Wahrnehmen, Begleiten, Gestalten von Lebensübergängen
